Über die Preisgestaltung im Antiquariatsbuchhandel kann man mitunter ausufernd streiten (siehe etwa hier, es geht um die Erstausgabe von Elias Canettis Roman "Die Blendung"). Ein aktuelles, für dieses Weblog einschlägiges Beispiel: Der Stuttgarter Antiquar Herbert Blank bietet im soeben im Netz veröffentlichten Katalog der 51. Stuttgarter Antiquariatsmesse (27. bis 29. Januar 2012, Württembergischer Kunstverein am Schlossplatz) ein Exemplar der Luther-Schrift Aby Warburgs an ("Heidnisch-antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten", Heidelberg 1920; Wuttke 334). Blanks Preisvorstellung: 1.200 Euro. Aus der recht knappen Katalogbeschreibung: "Erste Ausgabe, sehr selten. Exemplar aus Bibliothek Wilhelm Waetzold [sic]."
Es handelt sich hierbei offenbar um das Exemplar aus dem Vorbesitz von Wilhelm Waetzoldt (1909 bis 1911 in Warburgs Hamburger Bibliothek als Forschungsassistent tätig), das im Oktober 1996 als Teil eines Warburg-Konvoluts, bestehend aus drei Widmungsexemplaren "und 7 weiteren Werken von und über Warburg", bei Bassenge in Berlin versteigert wurde (Auktion 68, Nr. 1.356). Schätzpreis: 600 DM für das Konvolut. Zuschlag (wohl an einen Händler, aber nicht an Herbert Blank): 2.400 DM.
Ein defektes Exemplar derselben Warburg-Schrift wird zurzeit von einem Schweizer Antiquar für 48,80 Euro (zzgl. Versandkosten) im Internet angeboten ("Bildtafel I wurde herausgeschnitten, sonst vollständig. Die Deckblätter sind lose.").
Samstag, 10. Dezember 2011
Mittwoch, 16. November 2011
Workshop: Neue Perspektiven der Warburg-Forschung
Ein internationaler Workshop in Berlin (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung) am 25./26. November 2011 widmet sich "Neuen Perspektiven der Warburg-Forschung". Referenten sind laut Tagungsprogramm Andrea Pinotti, Spiros Papapetros, Philipp Ekardt, Georges Didi-Huberman, Thomas Hensel, Julia Voss, Claudia Wedepohl, Herbert Kopp-Oberstebrink und Davide Stimilli. Organisiert wird die Veranstaltung von Sigrid Weigel und Martin Treml.
Dienstag, 15. November 2011
Dieter Wuttke spricht über Erwin Panofsky
Dieter Wuttke spricht am 7. Dezember 2011 in Mainz über Erwin Panofsky. Anlass ist natürlich der Abschluss der großen, von Wuttke im Harrassowitz Verlag herausgegebenen Panofsky-Brief-Ausgabe in diesem Jahr (5 Bde., im Komplettpaket für 798 Euro lieferbar, ISBN 978-3-447-06277-0).
Die Veranstaltung (Eintritt frei) beginnt um 18 Uhr in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz (Geschwister-Scholl-Straße 2, 55131 Mainz).
Die Veranstaltung (Eintritt frei) beginnt um 18 Uhr in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz (Geschwister-Scholl-Straße 2, 55131 Mainz).
Sonntag, 6. November 2011
Horst Bredekamp und die "Warburg-Wand"
Ein lesenswerter "Cicero"-Artikel von Ulrich Clewing über die umfangreiche private Bibliothek des Berliner Kunsthistorikers Horst Bredekamp. Über die Bücher in Bredekamps "Warburg-Wand" würde man sehr gern mehr erfahren...
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Freitag, 30. September 2011
Aby Warburgs Schriften im Nachdruck
Der erst seit März 2010 bestehende Hamburger Severus Verlag (Imprint der Diplomica Verlag GmbH) kündigt für diesen Herbst einen Nachdruck der 1932 bei B. G. Teubner erschienenen "Gesammelten Schriften" von Aby Warburg an (siehe den Eintrag bei buchhandel.de).
Es stutzig werden lässt die Umfangsangabe "ca. 480 S." in der Bibliografie, die mit der zweibändigen Originalausgabe von 1932 nicht übereinstimmt. Auf Gestalt und Ausstattung dieser Veröffentlichung darf man wohl gespannt sein.
Es stutzig werden lässt die Umfangsangabe "ca. 480 S." in der Bibliografie, die mit der zweibändigen Originalausgabe von 1932 nicht übereinstimmt. Auf Gestalt und Ausstattung dieser Veröffentlichung darf man wohl gespannt sein.
Sonntag, 19. Juni 2011
Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel in Hamburg
Marcus Andrew Hurttig: Die entfesselte Antike. Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel in Hamburg.Hrsg. von Thomas Ketelsen und Andreas Stolzenburg. Hamburg: Hamburger Kunsthalle, 2011. 96 S., Abb., kart., 9,80 Euro, ISBN 978-3-938002-34-6
Noch bis 26. Juni zeigt die Hamburger Kunsthalle eine kleine, von Marcus Andrew Hurttig kuratierte Ausstellung über "Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel in Hamburg", zusammengestellt aus den Beständen der eigenen Sammlungen.
Es geht dabei um einen Vortrag über "Dürer und die italienische Antike", den Warburg im Oktober 1905 in seiner Vaterstadt Hamburg auf dem 48. Philologenkongress hielt. In diesem Vortrag entwickelte Warburg seine These von der Suche der italienischen Künstler der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im "Formenschatz" der Antike nach Vorbildern für die "pathetisch gesteigerte wie für die klassisch gemilderte Ausdrucksweise".
Grundlage für Warburgs Ausführungen waren etwa Albrecht Dürers Zeichnung "Der Tod des Orpheus" und Radierungen von Andrea Mantegna und seinem Kreis, die ihm Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle, großzügig für seinen Vortrag zur Verfügung stellte.
Der empfehlenswerte Katalog enthält eine Dokumentation der Ausstellung und darüber hinaus eine Auswahledition der Korrespondenz Warburgs mit Alfred Lichtwark aus dem Archiv der Kunsthalle.
Anzumerken sind hier einige Kleinigkeiten: zu Warburgs auf den ersten Blick rätselhaften Ausdruck "mit ungerettetem Boot", verwendet in einem Brief an Lichtwark vom August 1900 (S. 66), passt eine Notiz "soll auf das gerettete Familienboot hoffen" vom Mai desselben Jahres (siehe Aby Warburg: Symbolismus aufgefaßt als primäre Umfangsbestimmung. In: Symbol. Grundlagentexte aus Ästhetik, Poetik und Kulturwissenschaft. Hrsg. von F. Berndt und H. J. Drügh. Frankfurt am Main 2009, S. 75–91, hier S. 86) – die biografische Bedeutung, die sich mit diesen Dokumenten verbindet, liegt auf der Hand, bedenkt man, dass Warburg zeitlebens als Privatgelehrter gearbeitet hat.
Der von Hurttig in der Briefedition ebenfalls mit einem Fragezeichen versehene Name "Baer" (S. 68) bezieht sich doch wohl auf das Frankfurter Antiquariat Joseph Baer & Co., bei dem Warburg Kunde war.
In einem späteren Brief Warburgs (S. 74) ist statt "Volkskindertag" richtig "Volkskundetag" zu lesen – in der Ausstellung selbst war dies allerdings Mitte Mai bereits korrigiert.
Ferner vermisst man im Katalog einen Hinweis auf Gottfried Korffs Aufsatz "Aby Warburg und der 'Volkskundekongress' von 1905" (Zeitschrift für Volkskunde 101, 2005, S. 1–29), der eine noch genauere Rekonstruktion der Ereignisse und parallelen Vorhaben ermöglicht hätte.
Vom 1. März bis 27. Mai 2012 wird die Warburg-Ausstellung in Köln zu sehen sein (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud).
Björn Biester
Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler Neue Folge 9 (2011) Nr. 3/4, S. 180 f.
Noch bis 26. Juni zeigt die Hamburger Kunsthalle eine kleine, von Marcus Andrew Hurttig kuratierte Ausstellung über "Aby Warburg und die Geburt der Pathosformel in Hamburg", zusammengestellt aus den Beständen der eigenen Sammlungen.
Es geht dabei um einen Vortrag über "Dürer und die italienische Antike", den Warburg im Oktober 1905 in seiner Vaterstadt Hamburg auf dem 48. Philologenkongress hielt. In diesem Vortrag entwickelte Warburg seine These von der Suche der italienischen Künstler der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts im "Formenschatz" der Antike nach Vorbildern für die "pathetisch gesteigerte wie für die klassisch gemilderte Ausdrucksweise".
Grundlage für Warburgs Ausführungen waren etwa Albrecht Dürers Zeichnung "Der Tod des Orpheus" und Radierungen von Andrea Mantegna und seinem Kreis, die ihm Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle, großzügig für seinen Vortrag zur Verfügung stellte.
Der empfehlenswerte Katalog enthält eine Dokumentation der Ausstellung und darüber hinaus eine Auswahledition der Korrespondenz Warburgs mit Alfred Lichtwark aus dem Archiv der Kunsthalle.
Anzumerken sind hier einige Kleinigkeiten: zu Warburgs auf den ersten Blick rätselhaften Ausdruck "mit ungerettetem Boot", verwendet in einem Brief an Lichtwark vom August 1900 (S. 66), passt eine Notiz "soll auf das gerettete Familienboot hoffen" vom Mai desselben Jahres (siehe Aby Warburg: Symbolismus aufgefaßt als primäre Umfangsbestimmung. In: Symbol. Grundlagentexte aus Ästhetik, Poetik und Kulturwissenschaft. Hrsg. von F. Berndt und H. J. Drügh. Frankfurt am Main 2009, S. 75–91, hier S. 86) – die biografische Bedeutung, die sich mit diesen Dokumenten verbindet, liegt auf der Hand, bedenkt man, dass Warburg zeitlebens als Privatgelehrter gearbeitet hat.
Der von Hurttig in der Briefedition ebenfalls mit einem Fragezeichen versehene Name "Baer" (S. 68) bezieht sich doch wohl auf das Frankfurter Antiquariat Joseph Baer & Co., bei dem Warburg Kunde war.
In einem späteren Brief Warburgs (S. 74) ist statt "Volkskindertag" richtig "Volkskundetag" zu lesen – in der Ausstellung selbst war dies allerdings Mitte Mai bereits korrigiert.
Ferner vermisst man im Katalog einen Hinweis auf Gottfried Korffs Aufsatz "Aby Warburg und der 'Volkskundekongress' von 1905" (Zeitschrift für Volkskunde 101, 2005, S. 1–29), der eine noch genauere Rekonstruktion der Ereignisse und parallelen Vorhaben ermöglicht hätte.
Vom 1. März bis 27. Mai 2012 wird die Warburg-Ausstellung in Köln zu sehen sein (Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud).
Björn Biester
Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler Neue Folge 9 (2011) Nr. 3/4, S. 180 f.
Mittwoch, 25. Mai 2011
Aby Warburgs Dissertation bringt 1.100 Euro
In der Hauswedell & Nolte-Auktion 429 ist heute ein Exemplar der Doktorarbeit Aby Warburgs ("Sandro Botticellis 'Geburt der Venus' und 'Frühling'. Eine Untersuchung über die Vorstellungen von der Antike in der italienischen Frührenaissance", 1893) für 1.100 Euro zugeschlagen worden. Der Schätzpreis lag bei 500 Euro (Katalognummer 786).
Dienstag, 3. Mai 2011
Aby Warburgs Dissertation bei Hauswedell & Nolte
In der Hauswedell & Nolte-Auktion 429 am 24. und 25. Mai 2011 in Hamburg kommt als Katalognummer 786 ein Exemplar der Dissertation Aby Warburgs "Sandro Botticellis 'Geburt der Venus' und 'Frühling'. Eine Untersuchung über die Vorstellungen von der Antike in der italienischen Frührenaissance" zum Ausruf, und zwar in der 1893 im Verlag von Leopold Voss erschienenen Ausgabe für den Buchhandel. Der Schätzpreis liegt bei 500 Euro.
Der Katalog steht sowohl online als auch gedruckt zur Verfügung.
Der Katalog steht sowohl online als auch gedruckt zur Verfügung.
Sonntag, 28. November 2010
Aby Warburg im Netz
Auswahl einiger Warburg-Online-Ressourcen. Siehe auch die Aby M. Warburg-Bibliografie 2006 bis 2010.
http://www.warburg.sas.ac.uk [The Warburg Institute, seit 1944 Teil der University of London; die Institutsbibliothek besteht im Kern aus der Hamburger Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, die nach Hitlers Machtantritt im Dezember 1933 nach London verlegt wurde]
http://warburg.sas.ac.uk/archives/archives_index.htm [Archiv des Warburg Institute, seit Oktober 2006 geleitet von Claudia Wedepohl; umfangreicher Nachlass Aby M. Warburgs]
http://calmview.warburg.sas.ac.uk/calmview/ [Korrespondenz-Datenbank des Archivs des Warburg Institute; Abstracts, circa 37.800 Einzelnachweise aus dem Zeitraum 1876 bis 1929; Ordnung der Zettelkästen, circa 3.200 Einträge]
http://www.welib.de [Warburg Electronic Library, Hamburg. "In einem fünfjährigen interdisziplinären Forschungsprojekt des Arbeitsbereichs Software-Systeme der Technischen Universität Hamburg-Harburg (STS) und der Forschungsstelle Politische Ikonographie des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg im Warburg-Haus wurde der Bildindex zur Politischen Ikonographie als multimediale digitale Bibliothek abgebildet."]
http://de.wikipedia.org/wiki/Aby_Warburg [längerer biografischer Beitrag, zur inhaltlichen Problematik siehe unter "Diskussion" u. a. den Austausch unter der Überschrift "Tätigkeit als Hochschullehrer verschwiegen"]
http://www.kirchenlexikon.de/w/warburg.shtml [Rainer Hering: Warburg, Abraham Moritz, gen. Aby. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 13. Herzberg: Bautz, 1998, Sp. 330–350, Online-Fassung bibliografisch aktualisiert]
http://www.engramma.it/eOS/index.php?id_articolo=71 ["Aby Warburg e l'Atlante Mnemosyne", siehe "Indice dei materiali"; u. a. "Rassegna bibliografica degli studi critici su Aby Warburg e delle edizioni delle sue opere aggiornata a marzo 2007" von Katia Mazzucco]
http://www.warburg-haus.de [Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, Hamburg; Warburg-Archiv, Aby-Warburg-Stiftung, Veranstaltungen, Arbeitsvorhaben, Publikationen etc.]
http://www.educ.fc.ul.pt/hyper/eng/warburg_e.htm ["Aby Warburg and the Archives of Social Memory"]
http://www.akademie-verlag.de [suche unter "Warburg", u. a. Übersicht zur Warburg-Studienausgabe (Herausgeber, Aufbau, bereits vorliegende Bände)]
http://www.mnemosyne.org/studienausgabe ["Mnemosyne.org is proud to announce that they, in cooperation with the editorial board and Akademie Verlag, will prepare the electronic edition of the Mnemosyne Atlas as well as an electronic edition of the 'Studienausgabe'."]
http://www.suhrkamp.de/buecher/werke_in_einem_band-perdita_ladwig_58531.html [Aby Warburg: Werke in einem Band ("Auf der Grundlage der Manuskripte und Handexemplare"), Ankündigung des Suhrkamp Verlags für März 2010]
http://www.koernerverlag.de [Aby M. Warburg: Ausgewählte Schriften und Würdigungen, 3. Auflage 1992; Aby M. Warburg-Bibliographie, 1998 und 2007]
http://www.dugverlag.de [suche unter "Warburg", u. a. Briefwechsel Aby Warburg/Fritz Saxl (hrsg. Dorothea McEwan), "Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde", Material zum Bilderatlas]
http://www.ninoaragnoeditore.it [italienische Übersetzung der Schriften Aby Warburgs, hrsg. Maurizio Ghelardi; Nachdruck der Vorträge der Bibliothek Warburg]
http://www.warburg.sas.ac.uk [The Warburg Institute, seit 1944 Teil der University of London; die Institutsbibliothek besteht im Kern aus der Hamburger Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg, die nach Hitlers Machtantritt im Dezember 1933 nach London verlegt wurde]
http://warburg.sas.ac.uk/archives/archives_index.htm [Archiv des Warburg Institute, seit Oktober 2006 geleitet von Claudia Wedepohl; umfangreicher Nachlass Aby M. Warburgs]
http://calmview.warburg.sas.ac.uk/calmview/ [Korrespondenz-Datenbank des Archivs des Warburg Institute; Abstracts, circa 37.800 Einzelnachweise aus dem Zeitraum 1876 bis 1929; Ordnung der Zettelkästen, circa 3.200 Einträge]
http://www.welib.de [Warburg Electronic Library, Hamburg. "In einem fünfjährigen interdisziplinären Forschungsprojekt des Arbeitsbereichs Software-Systeme der Technischen Universität Hamburg-Harburg (STS) und der Forschungsstelle Politische Ikonographie des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg im Warburg-Haus wurde der Bildindex zur Politischen Ikonographie als multimediale digitale Bibliothek abgebildet."]
http://de.wikipedia.org/wiki/Aby_Warburg [längerer biografischer Beitrag, zur inhaltlichen Problematik siehe unter "Diskussion" u. a. den Austausch unter der Überschrift "Tätigkeit als Hochschullehrer verschwiegen"]
http://www.kirchenlexikon.de/w/warburg.shtml [Rainer Hering: Warburg, Abraham Moritz, gen. Aby. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 13. Herzberg: Bautz, 1998, Sp. 330–350, Online-Fassung bibliografisch aktualisiert]
http://www.engramma.it/eOS/index.php?id_articolo=71 ["Aby Warburg e l'Atlante Mnemosyne", siehe "Indice dei materiali"; u. a. "Rassegna bibliografica degli studi critici su Aby Warburg e delle edizioni delle sue opere aggiornata a marzo 2007" von Katia Mazzucco]
http://www.warburg-haus.de [Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, Hamburg; Warburg-Archiv, Aby-Warburg-Stiftung, Veranstaltungen, Arbeitsvorhaben, Publikationen etc.]
http://www.educ.fc.ul.pt/hyper/eng/warburg_e.htm ["Aby Warburg and the Archives of Social Memory"]
http://www.akademie-verlag.de [suche unter "Warburg", u. a. Übersicht zur Warburg-Studienausgabe (Herausgeber, Aufbau, bereits vorliegende Bände)]
http://www.mnemosyne.org/studienausgabe ["Mnemosyne.org is proud to announce that they, in cooperation with the editorial board and Akademie Verlag, will prepare the electronic edition of the Mnemosyne Atlas as well as an electronic edition of the 'Studienausgabe'."]
http://www.suhrkamp.de/buecher/werke_in_einem_band-perdita_ladwig_58531.html [Aby Warburg: Werke in einem Band ("Auf der Grundlage der Manuskripte und Handexemplare"), Ankündigung des Suhrkamp Verlags für März 2010]
http://www.koernerverlag.de [Aby M. Warburg: Ausgewählte Schriften und Würdigungen, 3. Auflage 1992; Aby M. Warburg-Bibliographie, 1998 und 2007]
http://www.dugverlag.de [suche unter "Warburg", u. a. Briefwechsel Aby Warburg/Fritz Saxl (hrsg. Dorothea McEwan), "Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde", Material zum Bilderatlas]
http://www.ninoaragnoeditore.it [italienische Übersetzung der Schriften Aby Warburgs, hrsg. Maurizio Ghelardi; Nachdruck der Vorträge der Bibliothek Warburg]
Aby Warburg im Netz (2)
Warburg-Online-Ressourcen (Teil 1 siehe http://aby-warburg.blogspot.com/2009/12/aby-warburg-im-netz.html)
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/langsam_mahlen_die_muehlen_der_editoren_1.1672795.html [Horst Günther: Langsam mahlen die Mühlen der Editoren. Wann wird man Aby Warburgs "Gesammelte Schriften" in Gänze lesen können? In: Neue Zürcher Zeitung, 10./11. Januar 2009, S. 28]
http://www.z-i-g.de/pdf/ZIG_4_2007_gfrereis.pdf [Heike Gfrereis: Kobold im Reich der Gespenster. Aby Warburgs Aufsatz über amerikanische Chap-Books. In: Zeitschrift für Ideengeschichte I/4 (2007) S. 97–112]
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2008/492/pdf/Hellwig_Saxl_2008.pdf [Karin Hellwig: Spanische Kunst an der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Fritz Saxls Forschungsaufenthalt in Madrid im Frühjahr 1927. Heidelberg 2008. 27 S.]
http://www.harrassowitz-verlag.de/dzo/artikel/201/355_201.pdf?t=1165936509 [Carl Georg Heise: Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg; Inhaltsverzeichnis und Vorbemerkung der kommentierten Neuausgabe von 2005]
http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=889 [Björn Biester: Ein Universal-energetisches Orientierungs-Institut. Die Bibliothek Warburg in Hamburg. In: IASLonline, 23. März 2004; Rez. Hans-Michael Schäfer: Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg. Geschichte und Persönlichkeiten der Bibliothek Warburg mit Berücksichtigung der Bibliothekslandschaft und der Stadtsituation der Freien und Hansestadt Hamburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin 2003]
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/langsam_mahlen_die_muehlen_der_editoren_1.1672795.html [Horst Günther: Langsam mahlen die Mühlen der Editoren. Wann wird man Aby Warburgs "Gesammelte Schriften" in Gänze lesen können? In: Neue Zürcher Zeitung, 10./11. Januar 2009, S. 28]
http://www.z-i-g.de/pdf/ZIG_4_2007_gfrereis.pdf [Heike Gfrereis: Kobold im Reich der Gespenster. Aby Warburgs Aufsatz über amerikanische Chap-Books. In: Zeitschrift für Ideengeschichte I/4 (2007) S. 97–112]
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2008/492/pdf/Hellwig_Saxl_2008.pdf [Karin Hellwig: Spanische Kunst an der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Fritz Saxls Forschungsaufenthalt in Madrid im Frühjahr 1927. Heidelberg 2008. 27 S.]
http://www.harrassowitz-verlag.de/dzo/artikel/201/355_201.pdf?t=1165936509 [Carl Georg Heise: Persönliche Erinnerungen an Aby Warburg; Inhaltsverzeichnis und Vorbemerkung der kommentierten Neuausgabe von 2005]
http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=889 [Björn Biester: Ein Universal-energetisches Orientierungs-Institut. Die Bibliothek Warburg in Hamburg. In: IASLonline, 23. März 2004; Rez. Hans-Michael Schäfer: Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg. Geschichte und Persönlichkeiten der Bibliothek Warburg mit Berücksichtigung der Bibliothekslandschaft und der Stadtsituation der Freien und Hansestadt Hamburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin 2003]
Donnerstag, 23. September 2010
A. Warburg, Gesammelte Schriften
Das Amsterdamer Antiquariat "Die Schmiede" (A. + G. Leyerzapf) bietet in seinem eben erschienenen Katalog 98 Aby M. Warburgs "Die Erneuerung der heidnischen Antike" (Gesammelte Schriften 1/2) von 1932 an (Nr. 478). Das Exemplar, das auch schon auf der 5. Frankfurter Antiquariatsmesse in der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2009 zu sehen war, trägt einen Besitzvermerk einer Nichte Warburgs, Renate Calder (1904–1984; Tochter von Max M. Warburg). Preis: 2.500 Euro.
Montag, 14. Dezember 2009
Olga Herschel: Erinnerungen an Aby Warburg
Olga Herschel: Erinnerungen an Professor Aby Warburg. In: Hamburger Universitäts-Zeitung 11 (1929) Nr. 7, 10. Dezember 1929, S. 154–156
"Es ist nicht nötig", sagte Professor Warburg einmal in einem Gespräch, "daß Kinder bei Lebzeiten immer mit ihrem Vater einverstanden sind; die Hauptsache ist, daß sie eine schöne Erinnerung an ihn haben. Und ich bin wie geschaffen für eine schöne Erinnerung." Und wenn auch nicht im Einzelnen die Richtigkeit und die Berechtigung dieses Ausspruchs geprüft werden soll, so ist doch eins darin unbedingt wahr, daß die Erinnerungen an den Mann, der diesen so stark resignierenden Satz ausgesprochen hat, schön sind, daß dasjenige, was die Menschen, die das Glück hatten, mit ihm in Berührung zu kommen, aus dem Verkehr mit ihm erinnern, vielleicht charakteristischer ist für die Persönlichkeit als dasjenige, was aus den sichtbaren Denkmälern seines Geistes auf die Nachwelt kommt.
Das war nämlich das Wunderbare an dem Menschen Warburg, daß er trotz der Universalität seines Geistes, trotz seines Denkens, das unbedingt Zentrum seiner ganzen Persönlichkeit war, trotzdem im Verkehr von Mensch zu Mensch immer Mensch blieb, daß er im Tone des ganz gewöhnlichen Verkehrs die wissenschaftlichen Dinge sagte, die fesselten durch den Inhalt, der dadurch so prägnant hervortrat, daß die Form so völlig zwanglos war.
Wie war aber auch seine Art des Zuhörens, wie konnte er auch bei dem ganz jungen Menschen eine vielleicht ganz abwegige Meinung anhören, ohne Stellung dazu zu nehmen, ganz interessiert an die Denkfunktion des anderen hingegeben, ganz Respekt für ein anderes denkendes Individuum.
Die stärkste der schönen Erinnerungen, die ich an ihn habe, eine kleine Szene in der – wie es früher hieß – Hamburger Stadtbibliothek, in der Warburg ein ständiger Besucher war und in der er sich hin und wieder mit der gleichfalls dort arbeitenden Studentin unterhielt. Während des großen Krieges. Irgendwie schwebten Verhandlungen in der Luft. "Wenn wir jetzt jemanden hätten, der einen Frieden von Nikolsburg schließen könnte", meinte Warburg, worauf ich ihm mit der Überzeugtheit des – sagen wir – fünften Semesters entgegnete, "ich halte den Nikolsburger Frieden nicht für die große Tat Bismarcks." – Würde es nun in ganz Deutschland einen Gelehrten geben, der nicht einem fünften Semester aus der Fülle seiner Erfahrung bedeuten würde, daß es gründlich auf dem Abwege wäre? – Warburg aber nahm mich auf den Korridor, damit wir durch unser Gespräch die anderen nicht störten und ließ sich ganz eingehend von mir meine Stellungnahme erläutern, hörte interessiert zu und widersprach nicht, was vielleicht die unbeabsichtigte Nebenwirkung hatte, daß ich noch heute an meiner damaligen Ansicht festhalte.
Wie schön war es, wenn nach den Vorträgen in seiner Bibliothek Warburg selbst das Wort nahm, wenn er dasjenige, was der Vortragende gesagt hatte, ergänzte, wenn er der Sache erst wirkliches Leben gab, wenn er eine Idee bis ins letzte verfolgte, wenn er mit einmal überrascht nachwies, daß eine religiös-philosophische Anschauung der Antike noch heute in dem Kinderbuch dem Struwelpeter lebendig sei.
Doch nicht nur die Antike verfolgte er bis in unsere Zeit mit ihren Äußerungen, auch von den Äußerungen unserer Zeit kam er in seiner Universalität zur Antike. Auf einigen Jahrgängen der Briefmarken von Barbados befindet sich Neptun auf einem antiken Wagen und im Himmel darüber die Inschrift: "Et Penitus Toto Regnantes Orbe Britannos." Wie wir schon in der Schule gelernt haben, daß man den Danaern mißtrauen müsse, wenn sie Geschenke bieten, so mißtraute Warburg offenbar den Engländern, wenn sie lateinisch sprechen, ja wenn schon in der Zeit der Latinität die Weltherrschaft der Briten vorgeahnt sein sollte. Er setzte sich mit allen ihm in Betracht kommenden Erscheinenden in Verbindung mit dem Erfolg, daß er feststellen konnte, daß diese Inschrift ein abgeändertes Zitat aus Virgil war, das – ich glaube durch eine Münze – in England bekant wurde und dort zweckentsprechend britannisiert wurde. Von dieser Briefmarke aus unserer Zeit kam aber Warburg nicht nur zur Antike, sondern auch zu dem Prinzip Briefmarke in ihrer künstlerischen Auswertung. In der gleichen Tasche, in der er jene Marke von Barbados hatte, als er sie mir auf der Straße zeigte und von seiner erfolgreichen Aufspürung erzählte, trug er auch jenen deutschen Briefmarkensatz mit den Bildern von Friedrich dem Großen, Beethoven, Goethe usw., dabei einige englische Marken, an denen er demonstrierte, wie richtig die Engländer auf ihren Marken einen Kopf im Verhältnis zum Hintergrund behandelt hätten, und wie falsch dies auf den deutschen Marken gehandhabt worden sei.
Bei der Universalität Warburgs versteht es sich eigentlich von selbst, daß er für die Erziehung zum disziplinierten Denken bei der Jugend eintrat. Weder für die milde gehandhabte "edukationslose Erziehung", wie er es ausdrückte, war er zu haben, noch für die naturwissenschaftliche Begeisterung unserer Zeit. Geisteswissenschaft war ihm Wissenschaft schlechthin, und als einmal ein von ihm als Freund hochgeschätzter Mediziner in einem wesentlichen Punkte anderer Meinung war als er, meinte er, als er von dieser Differenz sprach, gutmütig: "Gott, er ist schließlich nur Naturwissenschaftler", so ungefähr wie Ibsen einmal vom Dichter sagt: "weil in diesem Wort eine Entschuldigung liegt, eine Absolution, die einen Mantel über alle Schwäche und Unvollkommenheit breitet."
Meine letzte lebendige Erinnerung an ihn: Helgoland. Auf dem Unterland vor dem Denkmal Hoffmanns von Fallersleben traf ich ihn gänzlich unerwartet. Damals hatte Cassirer einen Ruf nach Frankfurt a. M. bekommen und Warburg hatte sich dafür eingesetzt, daß dieser Gelehrte Hamburg erhalten bleiben müsse. Eine Entscheidung war noch nicht gefallen, doch Warburg bewegte die Frage so, daß er sofort an diesem der Wissenschaft etwas entlegenen Ort davon anfing und darlegte, wie wichtig es für die junge Universität, wie wichtig es auch für die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg wäre, daß Cassirer in Hamburg bliebe. Und von der Persönlichkeit des Gelehrten zu den Persönlichkeiten der Pioniere der Luft. Ich stand ganz unter dem Erlebnis der Persönlichkeit Hünefelds, Warburg war mehr für Eckener und das weniger gefahrvolle Luftschiff.
Selbst in seiner Krankheit überragte dieser Mensch, den man so lieben mußte, uns alle Gesunden, dieser Mensch, der von sich sagte, daß er geschaffen sei für eine schöne Erinnerung, die ihm alle bewahren werden, die ihn kannten.
"Es ist nicht nötig", sagte Professor Warburg einmal in einem Gespräch, "daß Kinder bei Lebzeiten immer mit ihrem Vater einverstanden sind; die Hauptsache ist, daß sie eine schöne Erinnerung an ihn haben. Und ich bin wie geschaffen für eine schöne Erinnerung." Und wenn auch nicht im Einzelnen die Richtigkeit und die Berechtigung dieses Ausspruchs geprüft werden soll, so ist doch eins darin unbedingt wahr, daß die Erinnerungen an den Mann, der diesen so stark resignierenden Satz ausgesprochen hat, schön sind, daß dasjenige, was die Menschen, die das Glück hatten, mit ihm in Berührung zu kommen, aus dem Verkehr mit ihm erinnern, vielleicht charakteristischer ist für die Persönlichkeit als dasjenige, was aus den sichtbaren Denkmälern seines Geistes auf die Nachwelt kommt.
Das war nämlich das Wunderbare an dem Menschen Warburg, daß er trotz der Universalität seines Geistes, trotz seines Denkens, das unbedingt Zentrum seiner ganzen Persönlichkeit war, trotzdem im Verkehr von Mensch zu Mensch immer Mensch blieb, daß er im Tone des ganz gewöhnlichen Verkehrs die wissenschaftlichen Dinge sagte, die fesselten durch den Inhalt, der dadurch so prägnant hervortrat, daß die Form so völlig zwanglos war.
Wie war aber auch seine Art des Zuhörens, wie konnte er auch bei dem ganz jungen Menschen eine vielleicht ganz abwegige Meinung anhören, ohne Stellung dazu zu nehmen, ganz interessiert an die Denkfunktion des anderen hingegeben, ganz Respekt für ein anderes denkendes Individuum.
Die stärkste der schönen Erinnerungen, die ich an ihn habe, eine kleine Szene in der – wie es früher hieß – Hamburger Stadtbibliothek, in der Warburg ein ständiger Besucher war und in der er sich hin und wieder mit der gleichfalls dort arbeitenden Studentin unterhielt. Während des großen Krieges. Irgendwie schwebten Verhandlungen in der Luft. "Wenn wir jetzt jemanden hätten, der einen Frieden von Nikolsburg schließen könnte", meinte Warburg, worauf ich ihm mit der Überzeugtheit des – sagen wir – fünften Semesters entgegnete, "ich halte den Nikolsburger Frieden nicht für die große Tat Bismarcks." – Würde es nun in ganz Deutschland einen Gelehrten geben, der nicht einem fünften Semester aus der Fülle seiner Erfahrung bedeuten würde, daß es gründlich auf dem Abwege wäre? – Warburg aber nahm mich auf den Korridor, damit wir durch unser Gespräch die anderen nicht störten und ließ sich ganz eingehend von mir meine Stellungnahme erläutern, hörte interessiert zu und widersprach nicht, was vielleicht die unbeabsichtigte Nebenwirkung hatte, daß ich noch heute an meiner damaligen Ansicht festhalte.
Wie schön war es, wenn nach den Vorträgen in seiner Bibliothek Warburg selbst das Wort nahm, wenn er dasjenige, was der Vortragende gesagt hatte, ergänzte, wenn er der Sache erst wirkliches Leben gab, wenn er eine Idee bis ins letzte verfolgte, wenn er mit einmal überrascht nachwies, daß eine religiös-philosophische Anschauung der Antike noch heute in dem Kinderbuch dem Struwelpeter lebendig sei.
Doch nicht nur die Antike verfolgte er bis in unsere Zeit mit ihren Äußerungen, auch von den Äußerungen unserer Zeit kam er in seiner Universalität zur Antike. Auf einigen Jahrgängen der Briefmarken von Barbados befindet sich Neptun auf einem antiken Wagen und im Himmel darüber die Inschrift: "Et Penitus Toto Regnantes Orbe Britannos." Wie wir schon in der Schule gelernt haben, daß man den Danaern mißtrauen müsse, wenn sie Geschenke bieten, so mißtraute Warburg offenbar den Engländern, wenn sie lateinisch sprechen, ja wenn schon in der Zeit der Latinität die Weltherrschaft der Briten vorgeahnt sein sollte. Er setzte sich mit allen ihm in Betracht kommenden Erscheinenden in Verbindung mit dem Erfolg, daß er feststellen konnte, daß diese Inschrift ein abgeändertes Zitat aus Virgil war, das – ich glaube durch eine Münze – in England bekant wurde und dort zweckentsprechend britannisiert wurde. Von dieser Briefmarke aus unserer Zeit kam aber Warburg nicht nur zur Antike, sondern auch zu dem Prinzip Briefmarke in ihrer künstlerischen Auswertung. In der gleichen Tasche, in der er jene Marke von Barbados hatte, als er sie mir auf der Straße zeigte und von seiner erfolgreichen Aufspürung erzählte, trug er auch jenen deutschen Briefmarkensatz mit den Bildern von Friedrich dem Großen, Beethoven, Goethe usw., dabei einige englische Marken, an denen er demonstrierte, wie richtig die Engländer auf ihren Marken einen Kopf im Verhältnis zum Hintergrund behandelt hätten, und wie falsch dies auf den deutschen Marken gehandhabt worden sei.
Bei der Universalität Warburgs versteht es sich eigentlich von selbst, daß er für die Erziehung zum disziplinierten Denken bei der Jugend eintrat. Weder für die milde gehandhabte "edukationslose Erziehung", wie er es ausdrückte, war er zu haben, noch für die naturwissenschaftliche Begeisterung unserer Zeit. Geisteswissenschaft war ihm Wissenschaft schlechthin, und als einmal ein von ihm als Freund hochgeschätzter Mediziner in einem wesentlichen Punkte anderer Meinung war als er, meinte er, als er von dieser Differenz sprach, gutmütig: "Gott, er ist schließlich nur Naturwissenschaftler", so ungefähr wie Ibsen einmal vom Dichter sagt: "weil in diesem Wort eine Entschuldigung liegt, eine Absolution, die einen Mantel über alle Schwäche und Unvollkommenheit breitet."
Meine letzte lebendige Erinnerung an ihn: Helgoland. Auf dem Unterland vor dem Denkmal Hoffmanns von Fallersleben traf ich ihn gänzlich unerwartet. Damals hatte Cassirer einen Ruf nach Frankfurt a. M. bekommen und Warburg hatte sich dafür eingesetzt, daß dieser Gelehrte Hamburg erhalten bleiben müsse. Eine Entscheidung war noch nicht gefallen, doch Warburg bewegte die Frage so, daß er sofort an diesem der Wissenschaft etwas entlegenen Ort davon anfing und darlegte, wie wichtig es für die junge Universität, wie wichtig es auch für die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg wäre, daß Cassirer in Hamburg bliebe. Und von der Persönlichkeit des Gelehrten zu den Persönlichkeiten der Pioniere der Luft. Ich stand ganz unter dem Erlebnis der Persönlichkeit Hünefelds, Warburg war mehr für Eckener und das weniger gefahrvolle Luftschiff.
Selbst in seiner Krankheit überragte dieser Mensch, den man so lieben mußte, uns alle Gesunden, dieser Mensch, der von sich sagte, daß er geschaffen sei für eine schöne Erinnerung, die ihm alle bewahren werden, die ihn kannten.
Samstag, 5. Dezember 2009
G. A. E. Bogeng über Bibliophilie
"Daß Philobiblos und nicht Bibliophilos die richtige Wortbildung ist, wußten noch die Humanisten. Richard de Bury nannte sein Werk ein Philobiblon. Wann und wo die Bezeichnung der Bibliophilie sich einbürgerte, wäre genauer zu untersuchen. Da sie jedoch die jetzt allgemein übliche ist, ist sie auch in diesem Werke überall angewendet worden."
G. A. E. Bogeng: Die großen Bibliophilen. Geschichte der Büchersammler und ihrer Sammlungen. Leipzig: E. A. Seemann, 1922. Bd. 3, S. 2
Ein hervorragendes 75-seitiges Personenregister zu Bogengs Hauptwerk, das vor allem auch den Anmerkungsband erschließt, hat Johannes Saltzwedel, Hamburg, vor einigen Jahren erarbeitet: http://www.venturus.de
G. A. E. Bogeng: Die großen Bibliophilen. Geschichte der Büchersammler und ihrer Sammlungen. Leipzig: E. A. Seemann, 1922. Bd. 3, S. 2
Ein hervorragendes 75-seitiges Personenregister zu Bogengs Hauptwerk, das vor allem auch den Anmerkungsband erschließt, hat Johannes Saltzwedel, Hamburg, vor einigen Jahren erarbeitet: http://www.venturus.de
Freitag, 4. Dezember 2009
Michael Studemund-Halévy: Bibliographie zur Geschichte der Juden in Hamburg
Ergänzungen und Korrekturen (innerhalb des Erfassungszeitraums) zu:
Michael Studemund-Halévy: Bibliographie zur Geschichte der Juden in Hamburg (Bibliographien zur deutsch-jüdischen Geschichte 5). München/New Providence/ London/Paris 1994
Nobel, Nehemiah Anton: Moritz Warburg. Trauerrede, gehalten an seiner Bahre. In: Die jüdische Presse [Berlin], 41, 1910, Nr. 6, 3. Februar 1910, S. 53–55. S. 58 Bericht über die Trauerfeier.
Ruben, Moritz: Stammtafeln der Hamburger Familie Renner-Ruben (ca. 1650–1913). Stockholm [Privatdruck] 1913.
[M.]: [Nachruf auf David Ruben]. In: Die jüdische Presse [Berlin] 35, 1904, Nr. 14–15, 30. März 1904, S. 149 f. Rubrik "Correspondenzen".
Liebeschütz, Hans: Hermann Philipp und die Franz Rosenzweig-Gedächtnisstiftung in Hamburg. In: MB. Wochenzeitung des Irgun Olej Merkas Europa, Jg. 34, Nr. 36/37, 9. September 1966, S. 14.
Liebeschütz, Hans: The Warburg Banking House. A Record of its History. In: Association of Jewish Refugees in Great Britain – Information, June 1977, S. 6.
[anonym]: Obituary Aby S. Warburg. In: The New York Times, 31. Dezember 1933, S. 20 (Kolumne 1). Vgl. Korrektur zu Nr. 2814.
Maretzki, Louis: Nachruf auf Gustav Tuch (1834–1909). In: ders.: Reden und Abhandlungen über den Orden. Herausgegeben von der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. Berlin ohne Jahr (1913), S. 111–115.
Frankenfeld, Alfred: Max Warburg. Ein Porträt persönlicher Erinnerung. In: Neues Hamburg XI, 1956, S. 27–33 und 99.
Baeck, Leo: Nachruf auf Felix Warburg. In: Der Morgen 13, 1937/38, Nr. 9, S. 368–371. Über den Hamburger und Frankfurter Familienhintergrund.
Hertz, Hans Wilhelm [1903–1993]: Wilhelm Ludwig Hertz, ein Sohn des Dichters Adalbert von Chamisso. Ein genealogischer Beitrag. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 10, 1970, Sp. 269–308. Auch über die Hamburger Familie Hertz.
Wenzel, Georg [Bearbeiter]: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Ein Nachschlagebuch über 13000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hamburg/Berlin/Leipzig (Hanseatische Verlagsanstalt) 1929. Einträge unter anderem über Carl Joseph Melchior (Sp. 1461), Walter S. Robinow (Sp. 1836), Max Robinsohn (Sp. 1837), Aby S. Warburg (Sp. 2390), Fritz M. Warburg (Sp. 2390) und Max M. Warburg (Sp. 2390 f.).
Hertz, Heinrich: Erinnerungen, Briefe, Tagebücher. Zusammengestellt von Johanna Hertz. Leipzig (Akademische Verlagsgesellschaft) 1927; Neuausgabe 1977. Vgl. Nr. 1131-1133.
Handbuch der Wohlthätigkeit in Hamburg. Herausgegeben vom Armen-Kollegium und in dessen Auftrage bearbeitet von Dr. Hermann Joachim. Hamburg (In Kommission bei Lucas Gräfe.) 1901; 2. Aufl. ebenda 1909. Informationen über jüdische Stiftungen, Hilfsvereine, Legate etc.
Nr. 306 (vgl. Nr. 1251): Joachim Wolters: Alphabetisches Verzeichnis zu ... Hamburg, Resedenweg 28 (maschinenschriftlich, hektographiert) ohne Jahr [1983], 67 S. Exemplar unter anderem in der Deutschem Bibliothek, Frankfurt am Main.
Nr. 1160: unter demselben Titel gibt es auch eine deutschsprachige Ausgabe (Jerusalem ohne Jahr [Massada], 88 S.); Vorwort von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (S. 7–9).
Nr. 1169: 1928/29 als Manuskript zusammengestellt; der Hamburger Familienforscher Otto Hintze fehlt im Verfasserregister. Neubearbeitung: 300 Seiten, maschinenschriftlich.
Nr. 1173: Supplement Hamburg 1953; 13 genealogische Tafeln.
Nr. 1191: Aufsatz nicht von Jacobson > 1174: Rosenbaum, Eduard: M. M. Warburg & Co. Merchant Bankers of Hamburg. In: LBIYB 7, 1962, S. 121-149.
Nr. 1191: Jacobson, J.: Letter on Max M. Warburg. In: LBIYB 8, 1963, S. 266 f. Berichtet von einem vereitelten Attentat auf den Bankier Max M. Warburg im Sommer 1922; bezieht sich auf Rosenbaums Beitrag in LBIYB 7, 1962.
Nr. 1386 = Nr. 2490 (doppelter Eintrag).
Nr. 2766: falsche Seitenzahlen angegeben > S. 521–523.
Nr. 2780: Settis > das Buch ist nicht erschienen.
Nr. 2814 > bezieht sich auf den Tod von Aby S. Warburg (3. August 1864; 30. Dezember 1933), Mitinhaber der Warburg-Bank; vgl. Nr. 1155. Carl J. Melchior starb am selben Tag wie Aby S. Warburg.
Nr. 2883 > verfaßt von Paul Wilken; der Artikel erschien am 12. Juni 1926. Warburg hatte am 13. Juni Geburtstag.
Nr. 3038: ... In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 27, 1979, Heft 1, S. 109–124.
S. 196: Panofsky, Erwin [Überschrift, Vorname]
Register (fehlende bzw. falsche Verweise auf Einträge in der Bibliografie)
S. 231: Ascher, Felix > Nr. 1597–1598
S. 236: Hintze, Otto > Nr. 1169
S. 249: Heckscher, William S. > richtig Nr. 2731; Heilbuth, Ferdinand > Nr. 2727
S. 251: Nathan, Samson Philipp > richtig 1331–1332, 1924–1925 [es handelt sich jeweils um dieselben Beiträge]
S. 253: Tuch, Theodor > richtig Nr. 524
Michael Studemund-Halévy: Bibliographie zur Geschichte der Juden in Hamburg (Bibliographien zur deutsch-jüdischen Geschichte 5). München/New Providence/ London/Paris 1994
Nobel, Nehemiah Anton: Moritz Warburg. Trauerrede, gehalten an seiner Bahre. In: Die jüdische Presse [Berlin], 41, 1910, Nr. 6, 3. Februar 1910, S. 53–55. S. 58 Bericht über die Trauerfeier.
Ruben, Moritz: Stammtafeln der Hamburger Familie Renner-Ruben (ca. 1650–1913). Stockholm [Privatdruck] 1913.
[M.]: [Nachruf auf David Ruben]. In: Die jüdische Presse [Berlin] 35, 1904, Nr. 14–15, 30. März 1904, S. 149 f. Rubrik "Correspondenzen".
Liebeschütz, Hans: Hermann Philipp und die Franz Rosenzweig-Gedächtnisstiftung in Hamburg. In: MB. Wochenzeitung des Irgun Olej Merkas Europa, Jg. 34, Nr. 36/37, 9. September 1966, S. 14.
Liebeschütz, Hans: The Warburg Banking House. A Record of its History. In: Association of Jewish Refugees in Great Britain – Information, June 1977, S. 6.
[anonym]: Obituary Aby S. Warburg. In: The New York Times, 31. Dezember 1933, S. 20 (Kolumne 1). Vgl. Korrektur zu Nr. 2814.
Maretzki, Louis: Nachruf auf Gustav Tuch (1834–1909). In: ders.: Reden und Abhandlungen über den Orden. Herausgegeben von der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. Berlin ohne Jahr (1913), S. 111–115.
Frankenfeld, Alfred: Max Warburg. Ein Porträt persönlicher Erinnerung. In: Neues Hamburg XI, 1956, S. 27–33 und 99.
Baeck, Leo: Nachruf auf Felix Warburg. In: Der Morgen 13, 1937/38, Nr. 9, S. 368–371. Über den Hamburger und Frankfurter Familienhintergrund.
Hertz, Hans Wilhelm [1903–1993]: Wilhelm Ludwig Hertz, ein Sohn des Dichters Adalbert von Chamisso. Ein genealogischer Beitrag. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 10, 1970, Sp. 269–308. Auch über die Hamburger Familie Hertz.
Wenzel, Georg [Bearbeiter]: Deutscher Wirtschaftsführer. Lebensgänge deutscher Wirtschaftspersönlichkeiten. Ein Nachschlagebuch über 13000 Wirtschaftspersönlichkeiten unserer Zeit. Hamburg/Berlin/Leipzig (Hanseatische Verlagsanstalt) 1929. Einträge unter anderem über Carl Joseph Melchior (Sp. 1461), Walter S. Robinow (Sp. 1836), Max Robinsohn (Sp. 1837), Aby S. Warburg (Sp. 2390), Fritz M. Warburg (Sp. 2390) und Max M. Warburg (Sp. 2390 f.).
Hertz, Heinrich: Erinnerungen, Briefe, Tagebücher. Zusammengestellt von Johanna Hertz. Leipzig (Akademische Verlagsgesellschaft) 1927; Neuausgabe 1977. Vgl. Nr. 1131-1133.
Handbuch der Wohlthätigkeit in Hamburg. Herausgegeben vom Armen-Kollegium und in dessen Auftrage bearbeitet von Dr. Hermann Joachim. Hamburg (In Kommission bei Lucas Gräfe.) 1901; 2. Aufl. ebenda 1909. Informationen über jüdische Stiftungen, Hilfsvereine, Legate etc.
Nr. 306 (vgl. Nr. 1251): Joachim Wolters: Alphabetisches Verzeichnis zu ... Hamburg, Resedenweg 28 (maschinenschriftlich, hektographiert) ohne Jahr [1983], 67 S. Exemplar unter anderem in der Deutschem Bibliothek, Frankfurt am Main.
Nr. 1160: unter demselben Titel gibt es auch eine deutschsprachige Ausgabe (Jerusalem ohne Jahr [Massada], 88 S.); Vorwort von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl (S. 7–9).
Nr. 1169: 1928/29 als Manuskript zusammengestellt; der Hamburger Familienforscher Otto Hintze fehlt im Verfasserregister. Neubearbeitung: 300 Seiten, maschinenschriftlich.
Nr. 1173: Supplement Hamburg 1953; 13 genealogische Tafeln.
Nr. 1191: Aufsatz nicht von Jacobson > 1174: Rosenbaum, Eduard: M. M. Warburg & Co. Merchant Bankers of Hamburg. In: LBIYB 7, 1962, S. 121-149.
Nr. 1191: Jacobson, J.: Letter on Max M. Warburg. In: LBIYB 8, 1963, S. 266 f. Berichtet von einem vereitelten Attentat auf den Bankier Max M. Warburg im Sommer 1922; bezieht sich auf Rosenbaums Beitrag in LBIYB 7, 1962.
Nr. 1386 = Nr. 2490 (doppelter Eintrag).
Nr. 2766: falsche Seitenzahlen angegeben > S. 521–523.
Nr. 2780: Settis > das Buch ist nicht erschienen.
Nr. 2814 > bezieht sich auf den Tod von Aby S. Warburg (3. August 1864; 30. Dezember 1933), Mitinhaber der Warburg-Bank; vgl. Nr. 1155. Carl J. Melchior starb am selben Tag wie Aby S. Warburg.
Nr. 2883 > verfaßt von Paul Wilken; der Artikel erschien am 12. Juni 1926. Warburg hatte am 13. Juni Geburtstag.
Nr. 3038: ... In: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 27, 1979, Heft 1, S. 109–124.
S. 196: Panofsky, Erwin [Überschrift, Vorname]
Register (fehlende bzw. falsche Verweise auf Einträge in der Bibliografie)
S. 231: Ascher, Felix > Nr. 1597–1598
S. 236: Hintze, Otto > Nr. 1169
S. 249: Heckscher, William S. > richtig Nr. 2731; Heilbuth, Ferdinand > Nr. 2727
S. 251: Nathan, Samson Philipp > richtig 1331–1332, 1924–1925 [es handelt sich jeweils um dieselben Beiträge]
S. 253: Tuch, Theodor > richtig Nr. 524
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